Übersicht über die Vortragsthemen von Prof. Dr. Gideon Greif

 

 

Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto,
Aufgezeichnet von Chaim Aharon Kaplan

Chaim Aharon Kaplan war ein Hebräischlehrer und Schulleiter in Warschau, der im Jahre 1933 ein Tagebuch zu schreiben begann. Der Teil von 1933 bis 1939 ist verschollen. Existierend sind die Texte des Tagebuchs ab 1939 bis zum letzten Tag des Schreibens. Es handelt sich um den 4. August 1942, während der großen Deportation der Warschauer Juden nach Treblinka.

Trotz seiner schlechten Gesundheit und ständiger Sorgen um seine Schüler und seine Schule, trotz Hunger, Mangel am Notwendigsten und mit gebrochenem Herz, weil er die Not und Leiden der Juden Warschaus sah und teilte, bemühte sich Kaplan jeden Tag in seinem Tagebuch einen Beitrag zu schreiben. Kaplan, der im Jahre 1936 Eretz Israel besuchte, und plante, dorthin zu emigrieren, entschloss sich, sein Schicksal mit dem seiner Schüler und seiner Familie zu verknüpfen. Kaplan zeichnet nicht nur Bilder. Er stellt auch Fragen und versucht, Antworten zu geben, basierend auf seinem Wissen, seinen Kenntnissen der Weltpolitik und seinem Talent zur Analyse. Sein Blick ist nicht nur auf die innere Welt der Juden gerichtet, sondern auch auf die Internationale Bühne, über die er relativ gut informiert ist.

Dieses Tagebuch, dessen Autor seinen Tod in den Gaskammern von Treblinka fand, gibt dem Leser ein authentisches Bild einer Epoche von Unmenschlichkeit, Verlust von menschlichen Werten und von der Tragödie des Jüdischen Volkes in der Shoah.

Kaplans Tagebuch ist eine wichtige Quelle, um das Leben der Warschauer Juden unter deutscher Besatzung zu verstehen. Mit einem sehr klaren Stil, der sich mit einer sehr klaren Sichtweise verbindet, gibt uns Kaplan ein sehr realistisches Bild von der sterbenden jüdischen Gemeinde, von der er ein untrennbarer Teil ist.

 

Grundbegriffe des Zionismus

Im Kern dieses Vortrags soll es darum gehen, die ursprüngliche Bedeutung der Begrifflichkeit anhand einer umfassenden Darstellung der historischen Entwicklung des Zionismus seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zu erläutern. Dabei werden die unterschiedlichsten Entwicklungsstufen unter Berücksichtigung des größeren historischen Kontextes, die einflussreichsten Persönlichkeiten in der zionistischen Bewegung, die verschiedenen ideologischen Strömungen und die wesentlichen Errungenschaften zionistischer Tätigkeit vorgestellt. Welche weltanschaulichen Motive waren für das Entstehen der Bewegung von Bedeutung? Welche Rolle spielten Antisemitismus und gewaltsame Ausschreitungen gegen Juden in den europäischen Gesellschaften in der Gestalt und Ausprägung des Zionismus?

Darüber hinaus sollen auf der Grundlage der ab 1897 abgehaltenen Zionistischen Kongresse Erfolge und Rückschläge sowie die Ergebnisse konkreter praktischer Arbeit und großspurig angelegter Visionen der zionistischen Bewegung beschrieben werden. Dabei sollen auch die Auffassungen und Beweggründe der einflussreichen Persönlichkeiten Berücksichtigung finden und in diesem Zusammenhang die Wirkungskraft der verschiedenen zionistischen Strömungen erläutert werden. Wie unterschied sich „religiöser Zionismus“ vom „praktischen Zionismus“? Was impliziert der Begriff „Synthetischer Zionismus“? Wo finden sich sozialistische Elemente in der Bewegung?

Des Weiteren soll vor dem Hintergrund der Inhalte der verschiedenen Zionistischen Pläne verdeutlicht werden, dass sich die politische Arbeit in Bezug auf die Vision eines jüdischen Staates nicht auf das Gebiet in Eretz Israel (Land Israel) beschränkte. Dass jedoch letztlich nur die Rückkehr in das Heilige Land eine realistische Lösung der Judenfrage implizierte, soll auch durch die Darstellung der verschiedenen „Aliyot“ (Einwanderungen) erklärt werden. Welche Gruppierungen waren die entschiedensten Verfechter der Einwanderung; welche standen dieser eher ablehnend gegenüber? Wie begründeten sie ihre damalige Siedlungstätigkeit? Wie waren die frühen Siedler in Eretz Israel organisiert und durch welche Personen und Organisationen wurden sie ideologisch und finanziell unterstützt? Wie waren die ersten Siedlungen (Moschavot) strukturiert?

Außerdem sollen die Themen mit dem sicherlich größten Gegenwartsbezug angeschnitten werden: Der arabisch-Israelische Konflikt und die Shoah als tragischer Wendepunkt für das zionistische Projekt. Dabei sollen die Ursprünge der Auseinandersetzungen mit der lokalen arabischen Bevölkerung hervorgehoben werden und die unterschiedlichen Positionen der wichtigsten Vertreter verschiedener zionistischer Strömungen gegenüber der arabischen Bevölkerung erklärt werden. Der Vortrag schließt mit der Tragödie des Zionismus aufgrund von sechs Millionen ermordeten europäischen Juden, die ihren langjährigen Traum vom Leben in einem selbstständigen jüdischen Staat nicht mehr verwirklichen konnten.

Insgesamt soll der identitätsstiftende Charakter des Zionismus für den Staat Israel heute und damit dessen hoher Aktualitätsgehalt im Mittelpunkt des Vortrags stehen.

 

Die Deportation der Juden aus
Würzburg und Unterfranken 1941- 1943.
Eine visuelle Dokumentation

Dieser Vortrag beschreibt die Deportationen der Würzburger Juden, die von November 1941 bis August 1943 nach Riga, Izbica und Auschwitz deportiert worden sind.

Nur wenige haben diese Horrorreise in die Ost-Europäischen Ghettos überlebt - sie starben entweder schon während des Transports oder aufgrund der furchtbaren Lebensbedingungen in den Ghettos.
Die Fotos zeigen die Juden an den Sammelpunkten der Stadt, bei der körperlichen Untersuchung vor der Reise, auf dem Marsch zum Güterbahnhof, die Lokalbevölkerung und insbesondere die Erniedrigungen, die die Menschen durch alle Schritte der Deportation hindurch begleitet haben.

Dieser Vortrag soll ermöglichen, die Muster der Massendeportationen  in den "Osten"  sowie die aussichtslose Lage der Juden Deutschlands im Jahre 1941-1943 kurz vor Ihrer Ermordung,  besser zu verstehen.

 

Die Lebenswelten der Opfer und Täter -
dokumentiert in den beiden
Auschwitz Fotoalben

Die zwei Fotosammlungen, die unter den Titeln "Das erste Auschwitz Album" (auch bekannt als "Lili Meier Album") und "Das zweite Auschwitz Album" (auch bekannt als "Karl Höcker Album") große Aufmerksamkeit auf sich zogen, zeigen die stark dualistische Welt von Auschwitz-Birkenau. Auf der einen Seite steht die Lebenswelt der Opfer, die das erste Album dargestellt. Dort werden das Leiden, die Erniedrigung und der Mord an den Juden Ungarns während der Massendeportationen und Vergasungen im Frühling und Sommer 1944 dokumentiert. Ebenso wird das konsequente Lügensystem der Täter dargestellt, die ihre Opfer bis zum Schluss im Ungewissen über ihren nahen Tod ließen und sie damit auf hinterhältige Weise täuschten. Auf der anderen Seite zeigt uns das zweite Album die Lebenswelt der Täter, die im Freizeitort Solahütte ihr Leben genießen - ohne jegliche Schuldgefühle oder Gewissensbisse. Solahütte liegt dabei nur 30 Kilometer von Auschwitz-Birkenau und seiner Tötungsmaschinerie entfernt; dies macht die Parallelexistenz dieser beiden total verschiedenen Welten in direkter räumlicher Nähe deutlich.

Somit werden in den beiden Bildbänden extreme Gegensätze in der menschlichen, moralischen und kulturellen Realität von Auschwitz-Birkenau in der damaligen Zeit deutlich. Dadurch können wir heute die beiden total voneinander getrennten Lebenswelten der Täter und der Opfer besser begreifen.

Das erste Album, das von Lilly Jacob Meier entdeckt wurde, war zunächst nur einem kleinen Kreis bekannt, bis es 1980 der israelischen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem übergeben und schließlich 2002 publiziert wurde. Das Original befindet sich im historischen Museum von Yad Vashem in Jerusalem. Beim zweiten Album handelt es sich um Aufnahmen des SS-Obersturmführers Karl-Friedrich Höcker, Adjutant des letzten Lagerkommandanten Richard Baer, die erst 2006 dem Holocaust Memorial Museum in Washington übergeben und daraufhin bekannt wurden.

Der Vortrag beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Menschlichkeit, moralische Werte, historische Fotografie in ihrer Bedeutung und Auschwitz als Symbol des Bösen. Dies alles steht vor dem Hintergrund der ebenfalls thematisierten historischen Dimension von Auschwitz.

 

Presse unter dem Hakenkreuz -
Die Untergrundpresse im
Warschauer Ghetto

Im Warschauer Ghetto wurden eine Vielzahl von Bulletins, Magazinen, Tages- und Wochenzeitungen von unterschiedlichen politischen Parteien und Organisationen herausgegeben. Eine große Anzahl dieser Veröffentlichungen blieb nach dem Krieg erhalten. Der Vortrag untersucht verschiedene Aspekte der Untergrundpresse und hebt die darin reflektierten unterschiedlichen ideologischen Standpunkte der Herausgeber hervor. Diese Quellen beweisen, wie stark der Wille der Jüdinnen und Juden war, trotz der unmenschliche Bedingungen in den Ghettos zu überleben. Sie zeigt aber aeuch, wie falsch die Jüdinnen und Juden die mörderischen Pläne der Deutschen verstanden haben, wie mutig und idealistisch die jüdische Jugend war, wie intensiv die Bemühungen der leidenden jüdischen Bevölkerung waren, irgendwie zu überleben und ihre Menschlichkeit zu bewahren. Das Ausmaß des Leidens in den Ghettos wird verdeutlicht, stets mit dem Bewusstsein, dass es nicht rekonstruierbar und noch weniger nachfühlbar ist.

Zeit: 90 Minuten (für Erwachsene, insbesondere für Studierende der Medienwissenschaften, Publizistik)

 

“Der Andere Planet” –
Die Werke und Lebensanschauungen
von K. Tzetnik

Yechiel Dinur, der den Begriff „Der Andere Planet“ als Bezeichnung für Auschwitz mit seiner Aussage im Eichmann Prozess prägte, war der erste israelische Autor, der sich der Herausforderung stellte, das Leben und den Tod in dem Vernichtungslager Auschwitz auf literarische Weise zu erfassen. Dinurs literarisches Pseudonym „K. Tzetnik“ ist zu einem Synonym des Holocaust geworden, der für viele israelische Generationen den ersten Zugang zur Auseinandersetzung mit dem Holocaust darstellt.

Der Vortrag befasst sich mit den Erlebnissen von K. Tzetnik als Häftling sowie seiner Lebensgeschichte als Autor und Zeuge im Eichmann-Prozess.

Zeit: 90 Minuten (für Erwachse und literarisch interessierte Schüler/innen)

 

Der Aufstand im
Vernichtungslager Sobibór

Dieser Vortrag bietet eine detaillierte Beschreibung des Aufstands im Lager Sobibór – einem von drei Häftlingsaufständen, die in den drei Vernichtungslagern Treblinka, Sobibór und Auschwitz-Birkenau stattfanden. Dieser Aufstand, der am 14. Oktober 1943 ausbrach, war hinsichtlich seiner guten Vorbereitung und des relativen Erfolgs – der gelungenen Flucht mehrerer Häftlinge – in der Geschichte der deutschen Vernichtungslager einzigartig. Begleitend werden Ausschnitte aus zwei Filmen gezeigt: Aus „Flucht aus Sobibór“ und der neue Dokumentation von Claude Lanzmann „Sobibór, 14. octobre 1943, 16 hehres“.

Zeit: 90 Minuten (Empfohlen für alle Altersgruppen)

 

Auschwitz:
„Funktionshäftlinge“ als Gewalttäter

Das Phänomen der „Eigenverwaltung“ der Häftlingsgesellschaft ist noch weitgehend unbekannt. Der Alltag der Häftlinge wurde in Auschwitz sehr durch so genannte Funktionäre der Häftlings-Elite bestimmt - teilweise sogar mehr als durch die SS-Männer oder Frauen. Ihr Verhalten hatte großen Einfluss auf das Leben jedes einzelnen Häftlings. Die zum Teil auch jüdischen Funktionäre waren selbst Häftlinge, die jeden Augenblick der Mordmaschine zum Opfer fallen konnten.

Im Vortrag wird erklärt, weshalb die SS-Lagerleitung Interesse an einer privilegierten Häftlingsgruppe hatte, was die verschiedenen Funktionen waren und wie das tägliche moralische Dilemma dieser Leute aussah. Dieses sensible Thema wird mit maximaler Offenheit dargestellt.

Zeit: 90 Minuten (Empfohlen für historisch orientierte Erwachsene, Lehrer/innen)

 

„Auschwitz“ als Unterrichtsthema:
Grundlinien, Charakteristika, Hinweise
(Für Lehrer und Erzieher)

Sich mit dem millionenfachen Tod unschuldiger Opfer während der Shoah zu beschäftigen, ist eine der schwierigsten Aufgaben in der Schule. Viele schrecken vor dieser Aufgabe zurück, weil die Last dieser Grausamkeiten erdrückend erscheint. Und doch ist es notwendig, über dieses furchtbare Kapitel der Geschichte zu sprechen und zu versuchen, es zu verstehen.

Dieser Vortrag versucht vor dem Hintergrund wichtiger Aspekte, bezüglich der „Endlösung der Judenfrage“ Grundlagen, Richtlinien und Hinweise für den praktischen Umgang mit dem Thema in der Schule zu geben. Am Beispiel des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau können die Gräueltaten der Shoah, insbesondere ihre technisch-industriellen Seiten, verdeutlicht werden. Des Weiteren beschäftigt sich der Vortrag mit medizinischen Experimenten, dem Raub des Eigentums, dem Untergrund und Widerstand, der Kunst während und nach dem Lager. Mit Hilfe von Filmausschnitten sowie umfangreichem Bild- und Quellenmaterial werden Hilfestellungen für die praktische Umsetzung in der Schule gegeben.

Hierbei kommen u.a. einzigartige Aufnahmen des „Auschwitz-Albums“ sowie die beeindruckenden Zeichnungen eines ehemaligen „Sonderkommando“-Häftlings zum Einsatz. Auszüge aus den eindrucksvollen Auschwitz-Handschriften runden den praktischen Teil ab. Eine Literaturliste mit wichtigen Veröffentlichungen zum Thema „Auschwitz“ kann am Ende mitgenommen werden.

Zeit: 120 Minuten (Empfohlen für Lehrer/innen, Erwachsenenbildner/innen)

 

Shoah ohne Tabus:
Offenes Gespräch mit deutschen
Schülerinnen und Schülern

Als ein Thema, das die Schlagzeilen nach mittlerweile 70 Jahren noch nicht verlässt, wirft die Shoah viele Fragen auf, die meistens unbeantwortet bleiben. Die geringe Zahl der Geschichtsstunden in der Schule und der überbeanspruchte Lehrplan ermöglichen sehr selten eine produktive Diskussion über Themen, die mit der Shoah verbunden sind.

Im Vortrag wird den Schülerinnen und Schülern eine Möglichkeit gegeben, alles, was ihnen diesbezüglich auf dem Herzen liegt zu äußern und vollständige, ausführliche Antworten zu bekommen. Auch schwierige Aspekte – bspw. „Schuld“ oder „Verantwortung“ – werden ohne Tabuisierung offen diskutiert. Durch eine solche Diskussion, durch Dialog und Meinungsaustausch kann viel angeregt, sowie ein besseres Verständnis erzielt werden.

Unter anderem werden folgende Themen angesprochen: deutsch-jüdische Beziehungen, Antisemitismus heute, was wir von der Shoah lernen können, Christentum versus Judentum, die verschiedenen Formen der Erinnerung an die Shoah in Israel im Vergleich zu Deutschland.

Zeit: 90 Minuten (Empfohlen ab Jahrgangsstufe 6./7.)

 

Die Shoah im Bewusstsein
der Gesellschaft Israels
1945 – 2008

Jahrzehnte haben Shoah-Überlebende in Israel ihre Vergangenheit versteckt bzw. verdrängt und ihren Familien nur einen Teil ihrer Erinnerungen erzählt, wobei die Zeit des Grauens und Leidens nicht erwähnt wurde.

Seit den 60er Jahren hat jedoch eine bedeutende Revolution stattgefunden: Die Überlebenden haben sich „geöffnet“, sind bereit zu erzählen und die Jugend möchte genau wissen, verstehen und fühlen, wie es „damals“ war. Die grundlegende Änderung in der Haltung der israelischen Gesellschaft gegenüber der Shoah ist besonders bei den Jugendfahrten nach Polen zu sehen, welche die jungen Israelis jeglicher Herkunft mit der Geschichte intensiv vertraut machen.

Der Vortrag stellt die Entwicklung des Bewusstseins bezüglich der Shoah in der israelischen Öffentlichkeit und im gesellschaftlichen Leben bis heute dar. Zudem werden die Gründe der Veränderung, das vermehrte Schätzen der jüdischen Haltung während der Shoah und die Schwerpunkte der Erinnerungskultur der Israelis fokussiert. Der Vortrag behandelt unbekannte Themen, wie den „Kasztner Prozess“ und reflektiert die komplizierte Wirkung der Shoah auf die israelische Gegenwart.

Zeit: 90 Minuten (Empfohlen für historisch orientierte Erwachsene, Lehrer/innen)

 

Das Tagebuch von Etty Hillesum -
Die Shoah aus dem Blickwinkel
einer verliebten Frau in Amsterdam

Etty Hillesum, eine hoch intelligente, offene und selbstbewusste Frau, begann einige Tage nach der deutschen Besetzung Hollands, Tagebuch zu schreiben. In diesem ehrlichen und offenen Bericht findet man alle Eindrücke und Ereignisse ihres Lebens bis zur Deportation über Westerbork nach Auschwitz. Aufgrund der nahenden Katastrophe entwickelt Etty eine ganz besondere jüdische, mehr jedoch universell geprägte Lebensphilosophie, die heutzutage für jede Person eine Quelle für Optimismus und Lebenskraft darstellt.

Die Aufzeichnung ist einzigartig im Vergleich mit allen anderen bekannten Tagebüchern der in der Shoah ermordeter Jüdinnen und Juden. Ihre feministischen Ideen und ihr persönliches Leben beschreibt Etty Hillesum vor dem Hintergrund, der von ihr realistisch verstandenen Katastrophe der Shoah. Unter anderem prophezeit sie ausdrücklich und erstaunlich das „schreckliche Ende aller Juden in Europa.“

Der Vortrag wird begleitet von Auszügen aus dem Tagebuch.

Zeit: 90 Minuten (Empfohlen für historisch orientierte Erwachsene, Lehrer/innen)

 

Die „Jeckes“ –
Das wunderliche Einleben
Deutscher Juden in Israel 1933-2008

Ähnlich wie andere Begriffe kann heute die Herkunft des Wortes „Jeckes“ keiner mehr genau rekonstruieren. Wahrscheinlich kommt das Wort von einer „Jacke“, dem Kleidungsstück, auf das die deutschstämmigen Emigranten im damaligen Palästina (Eretz Israel) trotz strahlender Sonne nicht verzichten konnten. So oder anders – die „jeckische“ Immigration in das heutige Israel, die in der offiziellen Geschichtsschreibung den Namen „die Fünfte Alija“ (Einwanderung) bekam, ist zweifellos eine der mutigsten, erstaunlichsten und erfolgreichsten.

Die deutschen Jüdinnen und Juden, die aus ihrem eigenen Land vertrieben wurden, mussten eine große Umstellung ertragen – von den mitteleuropäischen Traditionen, Gewohnheiten und dem kulturellen Umfeld, in die eher orientalisch geprägte Welt des Nahen Ostens.

Wie die „Jeckes“ das Leben in der neuen Heimat meisterten, welchen Preis sie dafür bezahlen mussten und welchen Einfluss sie auf den jungen Staat Israel hatten, wird umfassend dargestellt.

Der Vortrag wird begleitet von Auszügen mehrerer Interviews aus dem Buch „Die Jeckes“ (Böhlau-Verlag 2000).

Zeit: 90 Minuten (Empfohlen für Erwachsene; historisch orientierte Schülerinnen und Schüler)

 

Juden, Polen, Deutsche –
Ein Tagebuch der Shoah von
Calel Perechodnik, einem polnischen Juden

Versteckt in einer Warschauer Ladenwohnung, schrieb der 26 Jahre alte Calel Perechodnik von Mai bis August 1943 ein schockierendes Tagebuch. Es ist zugleich Lebensbeichte, Schuldbekenntnis und Zeugenbericht eines jüdischen Ghettopolizisten aus Otwock, der aus Leichtgläubigkeit und Naivität seine Frau und seine zweijährige Tochter in den Tod führte. Blind schenkte Perechodnik den Versprechen der Deutschen Glauben, dass Polizisten und deren Familien von den Aussiedlungsaktionen in Arbeitslager und KZs ausgenommen seien. Es gab für ihn keinen Grund, weshalb sich seine Familie nicht auf dem Versammlungsplatz für den Abtransport zusammen mit allen anderen nicht-privilegierten Jüdinnen und Juden hätte einfinden sollen. Perechodnik holte seine Frau und seine Tochter aus deren Versteck auf den Platz, wo sie wie alle anderen achttausend in die Gaskammern von Treblinka deportiert wurden. Bin ich ein Mörder? – diese Frage martert das Gewissen eines Opfers, das selbst zum Mittäter geworden ist, eines Getäuschten, der an seiner eigenen Leichtgläubigkeit verzweifelt. Wie keiner vor ihm erzählt Perechodnik uns sehr direkt über Jüdinnen und Juden, Polinnen und Polen und Deutsche während der Shoah.

Der Vortrag wird begleitet von Auszügen aus dem Tagebuch.

Zeit: 90 Minuten (Empfohlen für historisch orientierte Erwachsene, Lehrer/innen)

 

Die „Reichskristallnacht“ –
Ein Wendepunkt in der Geschichte
der Shoah des Deutschen Judentums.
November 1938

Die Ereignisse vom 9./10.November 1938 in Deutschland und Österreich haben den sich zuhause fühlenden und patriotisch verwurzelten Jüdinnen und Juden den Boden unter den Füßen entzogen. Dieses Erdbeben war ein klares Signal und Warnzeichen dafür, dass es für Jüdinnen und Juden ab diesem Zeitpunkt keine Rechte zum Schutz des Körpers und des Eigentums gab. Während den von der Führung Deutschlands geleiteten Ereignissen wurden um die 1.000 Jüdinnen und Juden ermordet – der erste Mord an einer größeren Anzahl in Deutschland. Um die 30.000 jüdische Männer wurden ohne rechtliche Grundlage in Konzentrationslager verschleppt, tausende jüdische Geschäfte und Wohnungen geplündert und ausgeraubt, sowie über 1.400 Synagogen in Brand gesetzt. Auch die letzten jüdischen Optimisten zeigten sich schockiert und fingen an zu begreifen, dass jüdisches Leben in Deutschland unmöglich geworden war. Fragen zum Hintergrund des Pogroms, zu den Ergebnissen, sowie den Reaktionen der freien Welt werden beantwortet.

Der Vortrag wird ggf. begleitet von der Vorführung des Dokumentarfilms „1938 - Ein Wendejahr in der Geschichte der Juden Deutschlands und Österreichs“.

Zeit: 90 Minuten (Empfohlen für jegliche Altersgruppe)

 

Renaissance am Rande des Untergangs:
Der überraschende Anstieg des
jüdischen kulturellen Selbstbewusstseins
in Deutschland 1933-1939

Die Jahre 1933-39 waren für die Jüdinnen und Juden Deutschlands eine Zeit der Demütigung, Diskriminierung, Entrechtung und Verfolgung, weswegen bisher dem jüdisch-kulturellen Leben der damaligen Zeit relativ wenig Beachtung geschenkt wurde. Dieser Vortrag handelt vom Aufbruch und der Neuorientierung des deutschen Judentums, dass sich nun wieder mehr auf seine geschichtlichen Wurzeln besann und dadurch den Prozess der Assimilation bremste. Unter dem Dach des neu gegründeten „jüdischen Kulturbundes“ entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit eine Renaissance des jüdisch-kulturellen Selbstbewusstseins. Die Jüdinnen und Juden versuchen, ein Gefühl der Sicherheit und einen Anker in der Tradition, Religion und Kultur zu finden.

Der Vortrag ermöglicht einen Einblick in jüdische Aktivitäten – Theater, Musik, Literatur und Presse. Dabei werden die innerjüdischen Konflikte zwischen Zionisten und Nicht-Zionisten nicht ausgeklammert. Eine hauptsächlich von Martin Buber initiierte große Bildungsoffensive, die sich nicht zuletzt mit der jüdischen Geschichte und der Geographie Eretz Israels auseinandersetzte, verdeutlicht, dass für viele Jüdinnen und Juden Deutschland als Heimat längst keine Zukunft mehr hatte. Viele, die in Eretz Israel ein neues Leben begannen, waren geprägt von diesem kurzen, aber gewaltigen Aufblühen jüdischen Lebens und Selbstbewusstseins in Deutschland.

Zeit: 120 Minuten (Empfohlen für historisch orientierte Erwachsene und Lehrerinnen/Lehrer)

 

Todesfabrik Auschwitz-Birkenau:
Die industrielle Massenvernichtung
in einem Vernichtungslager.
Auschwitz-Birkenau, 1942-1945

Sehr detailliert beschreibt dieser Vortrag den Tötungsprozess in den Gaskammern und Krematorien von Auschwitz-Birkenau, der von zahlreichem Bildmaterial begleitet wird. Möglich sind Ausschnitte aus Interviews, die der Autor mit den letzten Überlebenden der jüdischen „Sonderkommandos“ geführt hat, jenen Häftlingen, die gezwungen wurden, an der maschinellen Tötung teilzunehmen. Damit gibt der Vortrag ein klares Bild der Massentötung im größten der sechs Vernichtungslager, das Nazi-Deutschland für die Verwirklichung der „Endlösung der Judenfrage“ errichtet hat.

Die Zeitzeugen des „Sonderkommandos“ berichten unter anderem von den letzten Minuten der Opfer der „Endlösung“, der Systematik der Spurenvernichtung seitens der Deutschen, sowie vom Alltag der „Arbeit“ in den Krematorien und den Gaskammern.

Der Vortrag stellt einen der wenigen bisher fast unbekannten und empfindlichsten Bereiche der Shoah dar.

Zeit: 120 Minuten (Empfohlen ab Jahrgangsstufe 9./10.)

 

Das „Auschwitz-Album“:
Von der Rampe zur Gaskammer
(Birkenau 1944).
Bilderkollektion von Lili Meier

Mit dem „Auschwitz-Album“ wird ein einzigartiges fotografisches Dokument präsentiert. Allein anhand dieser Bilder wissen wir, was genau nach der Ankunft eines Transports von Jüdinnen und Juden in der Hölle namens „Auschwitz“ passierte.

Der Prozess der Ankunft, die so genannte „Selektion“, der Marsch, der zum Tode verurteilten Mehrheit in Richtung Gaskammern, die Aufnahme Weniger als Sklaven in das Konzentrationslager, sowie der spätere Raub des Eigentums – alles wurde bildlich und detailliert dokumentiert.

Das traurigste ist der letzte Weg: Die Fotos zeigen die Schlange der Menschen kurz vor dem Eingang zur Gaskammer, mit den Gesichtern ganzer Familien, die ein letztes Mal vor der Kamera standen.

Unglaublich hört sich auch die Geschichte an, die dieses Album mitmachte: Gefunden wurde es elf Monate später, außerhalb von Auschwitz. Die Frau, die es entdeckte, Lili Zelmanovic-Meier, kam am selben Tag ins Lager, an dem die Fotos entstanden sind und ist auf vielen selbst zu sehen. Die Identität der Fotografen, die Geschichte der Finderin und ihr besonderer Bezug zu diesem Album werden detailliert beschrieben. Mehrere Bilder des Albums sind während des Vortrages zu sehen.

Zeit: 120 Minuten (Empfohlen ab Jahrgangsstufe 7./8.)

 

Abschiedsbild des polnischem Judentums, 1939.
Basierend auf originalen Filmaufnahmen
von jüdischen Gemeinden in Polen

Einige Monate vor Ausbruch des II. Weltkrieges haben zwei jüdische Filmproduzenten in Polen sechs Kurzfilme über bedeutende jüdische Gemeinden in den großen Städten Polens gedreht. Die Städte waren Warschau, Krakau, Lvov (Lemberg), Bialystok, Vilna (Vilnius) und Lodz.

Die Filme zeigen das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Jüdinnen und Juden und beschreiben ihre Integration in die Gesellschaft. Es wird versucht, ein charakteristisches Bild der Vielseitigkeit dieser jüdischen Gemeinden darzustellen.

Zufällig tauchte um 1943 die letzte Kopie dieser Werke in New York auf, während die meisten der gefilmten Menschen bereits von den Deutschen ermordet worden waren. Die Filme ermöglichen einen authentischen visuellen Blick in eine verschwundene und unwiederbringliche Welt.

Der Vortrag wird von der Präsentation der Filme begleitet und befasst sich auch mit dem Kapitel der jüdischen Filmproduktion in Polen zwischen den beiden Weltkriegen. Der unschätzbare Wert dieser Filme ergibt sich aus der Tatsache, dass es kaum filmische Dokumente über das jüdische Leben in Osteuropa zwischen den zwei Weltkriegen gibt, was die Bedeutung dieser Filme verdeutlicht.

Zeit: 120 Minuten (Empfohlen ab Jahrgangsstufe 7./8.)